Deutsch-französische Freundschaft

Gäste der Grande Nation feiern im Bareiss ihren Nationalfeiertag

Bei Kaiserwetter, unter strahlend blauem Sommersonnenhimmel, feierten über 400 Gäste in Mitteltal-Baiersbronn den Sturz der Monarchie, den vor 221 Jahren am 14. Juli 1789 die Französische Revolution zur Folge hatte. Das Datum, wie man weiß, ist heute der Nationalfeiertag der Grande Nation. Und wie es seit 15 Jahren Tradition ist, hatte Hermann Bareiss die französischen, insonderheit die elsässischen Gäste und Freunde seines Ferienhotels eingeladen, diesen Feiertag auf ehemaligem Feindesboden zu begehen, der dies nun freilich seit einigen Jahrzehnten nicht mehr ist. Längst gelten Deutschland und Frankreich, miteinander befreundet, als die beiden wichtigsten nationalen Säulen der europäischen Einheit.  Was man sich unter dem etwas abstrakten Begriff völkernachbarschaftlichen Zusammenlebens vorzustellen hat, davon bot der deutsch-französische Freundschaftstag, den der Baiersbronner Hotelier erstmals mit Sohn Hannes Bareiss ausrichtete, ein mindestens lebhaftes Bild. Ein festliches Gedränge beherrschte den Mitteltaler Kurgarten, ein Gewoge sich grüßender Menschen, die in Gruppen und Grüppchen zusammenstanden, ein Glas Champagner in der Hand, und einander zutranken. Denn dies war der Champagnerempfang, mit dem das Traditionsfest seinen Anfang nahm. Und zur Tradition gehört auch, daß der Musikverein Trachtenkapelle Mitteltal mit den drei Hymnen Frankreichs, Deutschlands und Europas den Festakt einleitete, in dessen Mittelpunkt die Rede des ehemaligen Ministers und heutigen Elsaß-Deputierten wie Mitglieds der Pariser Nationalversammlung, Francois Loos, stand. In seinem kurzen Grußwort, mit dem er den französischen Gästen zu ihrem Nationalfeiertag gratulierte, erinnerte Gastgeber Hermann Bareiss an den Appell des letztjährigen Festredners, des ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel. Dieser hatte davon gesprochen, die Werte Friede, Freiheit und Völkerfreundschaft nicht für selbstverständlich zu halten, die den Zusammenhalt der europäischen Einheit garantierten. Werte, die auch der nächsten Generation zu vermitteln seien. In diesem Sinne freue er sich, so Hermann Bareiss, daß sein nunmehr ins Unternehmen eingestiegene Sohn Hannes die Tradition des Familienbetriebs fortsetze und seinerseits an der gastgeberischen Pflege der deutsch-französischen Freundschaft festhalte. Wozu ihn nicht zuletzt motiviere, einen Teil seiner beruflichen Wanderjahre in Paris zugebracht zu haben. Mit Francois Loos sprach der Staatsmann. Engagiert und passioniert, wie man es zumal von elsässischen Politikern kennt, war der rhetorische Sprung von einer historisch seinerzeit revolutionär-schwärmerisch beschworenen Brüderlichkeit zu einem zeitgemäß politischen Verständnis des Begriffs ein unvermittelter: Wenn man einander nicht nur Freund, sondern Bruder sei in der Völkerfamilie Frankreich und Deutschland, dann müsse man auch offen und ehrlich miteinander umgehen. Und die Ehrlichkeit wie Meinungsfreiheit gebiete es zu fordern, daß seitens Frankreich zwischen Elsaß und Baden-Württemberg ein volkswirtschaftlicher Gleichrang herzustellen sei, wenn denn die Metropolregion Oberrhein Wirklichkeit werden solle. Für untragbar erklärte Loos das französische Renteneingangsalter, das deutlich unter dem deutschen liege und deswegen ein leistungsfähiges Gleichgewicht beider regionaler Volkswirtschaften verhindere. Nicht zu reden vom Abbau nationaler Schulden. Überdies annoncierte er den politischen Willen zur Vereinigung von Bas- und Haut-Rhin, damit künftig, ohne die Individualität beider Regionen in Frage zu stellen, von nur einer starken Region Elsaß zu sprechen sei. Unter den Gästen, die nach dem Festakt in den Restaurants des Hotels am festlichen Déjeuner amicale franco-allemand teilnahmen, sah man unter anderem den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Dr. Lothar Späth, den Ancien Ministre und heutigen Präsidenten der Fondation Entente Franco-Allemande, André Bord, den Bürgermeister von Mulhouse, sowie Landrat Peter Dombrowsky und Norbert Beck, Bürgermeister von Baiersbronn. Wie alle Gäste, genossen sie bei Tisch einen regen Gesprächsaustausch, darin beflügelt vom sechsgängigen Menü mit seinen Protagonisten Wildlachs (in Variationen), Zander (begleitet von Rahmpfifferlingen) und Milchkalb (als Bäckle und Filet). Den süßen Schluß machte standortgerecht ein Schwarzwälder Kirschtörtchen, begleitet von einer badischen Gewürztraminer-Auslese.

Baiersbronn-Mitteltal, 14. Juli 2010