Vom Nichts an die Spitze - Der Hotelgründerin Hermine Bareiss zum 100. Geburtstag

Hermine Bareiss, Gründerin des Hotel Bareiss in Baiersbronn, wäre am 24. Januar 2013 hundert Jahre alt geworden. Sohn Hermann Bareiss und Enkel Hannes Bareiss nahmen den Tag zum Anlass, langjährige Wegbegleiter dieser Pionierin der Ferienhotellerie in Deutschland nach Mitteltal einzuladen, und diesen Tag mit einem Gedenkbesuch am Grab und einem festlichen Menü in kleinem Freundeskreis zu feiern. Hermann Bareiss erinnerte in seiner Tischrede an die wichtigsten Stationen ihres langen Lebens.

Geboren und aufgewachsen ist Hermine Bareiss im schwäbischen Leutenbach auf einem Bauernhof. Als junges Mädchen machte sie eine Lehre im Restaurant Müller in Stuttgart und ging von dort aus nach Düsseldorf, wo ihr Onkel Albert Luithardt eine Metzgerei eröffnet hatte. Sie machte ihre Sache so erfolgreich, dass sie sich auf eigene Füße stellte und mit ihrem Bruder Willi die Metzgerei Schmalzried in Düsseldorf gründete.

Bei einem Familienbesuch im Schwarzwald 1937 lernte sie Jakob Bareiss kennen, der Revierförster in Mitteltal war. Sie heirateten 1939. 1942 ist Tochter Heide, 1944 Sohn Hermann geboren. Jakob Bareiss wurde in den letzten Kriegstagen 1945 Opfer eines Partisanenüberfalls.

Die junge Witwe stand mit zwei kleinen Kindern vor dem Nichts. Und machte alles daraus. Indem sie zunächst das Gasthaus Kranz in Mitteltal führte, um vier Jahre später, 1951, in eigener Regie das Kurhotel Mitteltal zu gründen, das in den 90er Jahren das Bareiss und 2012 "Best Resort of Europe" wurde - vom Nichts an die Spitze. Hermine Bareiss hat das Fundament dafür gelegt.

In seinen Anfängen war das heutige Bareis ein kleines, bescheidenes Hotel von sechs Zimmern mit zwölf Betten. Hermine Bareiss erwies sich schnell als vorbildliche Gastgeberin. Nur in den beiden ersten Jahren hatte das Haus kleine Startschwächen zu spüren, spätestens ab 1953 ging es unaufhaltsam aufwärts. Aus dem kleinen Hotel wurde schnell ein wachsendes Hotel, das sich sowohl für seine Küche als auch für seine Gästebetreuung weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus den Ruf erwarb, eine ebenso erholsame wie genussreiche Adresse für die Ferien zu sein.

Über zwanzig fleißige und engagierte Jahre des Aufbaus und der Entwicklung führte sie ihr Unternehmen. So tüchtig, so gut, so erfolgreich, dass ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. 1973 übergab sie das Hotel an den Sohn Hermann Bareiss, blieb aber die Gastgeberin mit Leib und Seele, die sie war und als die sie bis in die 90er Jahre die Geschenkboutique "Das Lädle" im Hotel führte.

Bis zu ihrem Tod am 1. März 1996 lebte die große alte Dame im Hotel, das ihr Hotel war, und wo ihre Präsenz dem Hotel Leben gab auf ihre Weise: mit wachem Teilnehmen an allem Geschehen, in Dankbarkeit dafür, von den Mitarbeitern geachtet und von den Gästen geliebt zu sein. Und im beruhigenden Wissen, dass sie ihr Haus, wenn "Gott das große Amen sprechen" würde, wie sie es in ihrem Tagebuch schrieb, bestellt hatte und dass es in keinen besseren Händen als denen ihres Sohnes aufgehoben sein konnte.