Über 200 Jahre lebendige Geschichte

Seit 11 Generationen gibt es die Morloks in Mitteltal, seit 1610 sind sie in den Kirchenbüchern nachgewiesen. Anfangs im Ödenhof ansässig, errichtet Johann Georg Morlok 1789 den Hof am Rande Mitteltals und lebt, wie seine Vorfahren, als Bauer. Doch zugleich gilt er, wie seine Vorfahren und später auch seine Nachkommen, als Wunderheiler. Sie "finden" Verlorenes, Vieh, das sich verlaufen hat oder verlegte Gegenstände, und sie können Krankheiten durch Handauflegen oder die Herstellung von Tinkturen und Mixturen heilen. 

Bei der Restaurierung des Morlokhofs finden die Arbeiter Sensationelles: Über 130 handschriftliche Aufzeichnungen, Briefe und Seiten aus gedruckten Arzneibüchern. Es stellt sich heraus, dass mindestens vier, vielleicht sogar sechs unterschiedliche Morloks seit dem frühen 18. Jahrhundert das vorhandene Wissen gesammelt und es somit den nachfolgenden Generationen zugänglich gemacht haben. Die Aufzeichnungen sind teilweise in Latein und Hebräisch abgefasst und beschwören zahlreiche katholische Heilige – ungewöhnlich für das protestantische Mitteltal. Dazu finden sich Tinkturen in kleinen Fläschchen und die zugehörigen Rezepturen.

Der letzte der männlichen Morloks, der noch auf dem Morlokhof gelebt hat, Friedrich Morlok, kam 1945 in einem russischen Kriegsgefangenenlazarett zu Tode. Im Jahr 2003 kaufte Hermann Bareiss den Morlokhof.